Angeln in Zentralportugal

Da, wo der Rio Texeira in den Rio Vouga fliesst, ist eine traumhaft schöne Angelstelle, der Rio Texeira ist wie ein kleiner Gebirgsfluss ca. 5-7 Meter breit, mal flach, mal mit tiefen Gumpen. Ruhige Abschnitte wechseln mit kleineren Stromschnellen, ein ideales Forellengewässer.

 

Der Rio Vouga ist ein langsamfliessender ca. 10-15 Meter breiter Fluss, ein schönes Gewässer für den Posenangler.

Dort wo der Texeira in den Vouga mündet, ist eine Furt, die ich mit meinen Watstiefeln durchschreite. Am Ufer hängen einige Bäume über dem Gewässer, die Sonne steht schon schräg und eine Menge Kringel sind auf dem Wasser zu erkennen.

Schnell ist die Spinnrute fertig gemacht. „Eine 18ner-Schnur dürfte reichen“, geht es mir durch den Kopf. An dem Wirbel kommt ein 3 cm Zwister in leuchtend Orange.

Die ersten drei Würfe gehen unter die Zweige des Baumes, an der ich gerade einen Fisch platschen hörte. Der 4. landet in den Zweigen. Nach einigen Verrenkungen, die fast mit einem Badeerlebnis geendet hätten, konnte ich den Twister retten. Der nächste Wurf war ein Hänger. Auch diesmal konnte ich den Twister retten, hatte dafür aber die Watstiefel voller Wasser.

Ok, dachte ich mir, dann eben ein Spinner, schnell genug einziehen, dass er gar nicht erst auf Grund kommt. Ein schöner, bunter 4er Mepps und wieder surrt die Leine durch die Ringe meiner Rute.

Um mich nicht am anderen Ufer zu verhaken, werfe ich nur bis zur Mitte des Gewässers. Ungefähr 6 Meter vor dem Ufer hing ich wieder fest, dachte ich zumindest. Ein, zwei mal die Angel über die Schulter gehoben, meine Stimmung sank auf den Null-Punkt und ich dachte, gleich gehe ich nach Hause.

Ich hatte schon mein Taschenmesser in der Hand, um die Schnur zu kappen als plötzlich dieses wundervolle, knarrende Geräusch einer Rollenbremse zu vernehmen war. Sofort kam der Adrenalinstoss. Ich lies das Messer fallen, fasste an die Kurbel und begann den Drill. „Wow“, dachte ich, da hat aber einer keine Lust auf Pfanne. Meine Rute beschrieb fast eine Parabel. „Was kann das nur sein?“, schoss es mir durch den Kopf, außer Forellen und Barben soll hier doch nichts drin sein. Na, und Rotaugen sollen wohl kaum auf einen 4er-Mepps beissen. Ein Hecht hätte mir doch längst das Vorfach gekappt und ausserdem kommt er hier gar nicht vor.

Das Biest machte soviel Dampf, dass ich mich dafür Ohrfeigen könnte, nicht die 23er-Schnur genommen zu haben. Wie lange der Drill dauerte, kann ich nicht mehr sagen, aber irgendwann sah ich sie.
„Das ist doch keine Forelle“, dachte ich, viel zu gross für meinen kleinen Klappkescher. Als ich sie nah heran hatte, traute ich meinen Augen kaum, deutlich war die Fettflosse zu erkennen. Also doch eine Forelle.

Das Keschern ging nach dem harten Drill erstaunlich einfach. Von Neugier fast platzend holte ich die Forelle aus dem Netz.

So eine kapitale Forelle hatte ich bisher noch nicht geangelt, werde ich auch in diesem Leben nicht noch mal fangen. Schnell nach Hause und stolz wie Oskar meinen Freunden vorgezeigt. „Wo ist das verdammte Maßband?“. Super, da fange ich die Forelle meines Lebens und habe kein Maßband. Na ja, als Notlösung musste die Zeitschrift „Der Spiegel“ herhalten. Den gibt es ja nur in einer Grösse. Schnell ein Beweisfoto gemacht. Danach kam ein bisschen Butter in die Bauchhöhle, Alufolie drum und 1 1/2 Stunden in den Backofen. Die Zeit hat das fette Vieh auch gebraucht, es war nicht nur die grösste Forelle, die ich je gefangen habe, sondern auch die Beste, die ich je gegessen habe, aber das hatte wohl nichts mit meiner Kochkunst zu tun.

Thomas (lupinho@freenet.de)

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